Next Wunder gibt es nicht

Next Wunder gibt es nicht

9. September 2020 0 Von Natascha Marakovits

Ich gestehe: Ich liebe sie, auch wenn manche etwas gewöhnungsbedürftig aussehen. Aber es zählen ja bekanntlich die inneren Werte. Und die sind top – zumindest für meine Füße. Die Rede ist von den Laufschuhen der neuen Generation. Wie ist denn das nun mit diesen vieldiskutierten „Wunderschuhen“? Carbonschuhe an und Mann oder Frau ist nicht mehr zu halten? Persönliche Bestzeiten vorprogrammiert?

Ich muss auch gestehen: Ich bin ein Gewohnheitstier. Wenn mir einmal ein Laufschuh passt, bleibe ich in der Regel treu. Das war zumindest in den vergangenen Jahren so. Bis ich auf einmal durch meinen Job eine andere Marke – die Wunderschuhmarke – probiert habe. Und siehe da: Es war Liebe auf den ersten Schritt. So kam es auch, dass ich den damals neu auf den Markt gekommenen Wunderschuh testen konnte. Und ich muss schon wieder gestehen: Ich war anfangs skeptisch. Sehr vorsichtig. Denn immer wieder hallte es durch die Laufszene: Vorsicht, dieser Schuh ist gefährlich und auf gar keinen Fall etwas für Leute, die von einem Vierer-Schnitt weit entfernt und nicht Vorfußläufer sind. All diese Kriterien erfüllte ich nicht. Ich bin Mittelfußläuferin und laufe auf zehn Kilometern gerade einmal rund 44 Minuten und beim Marathon 3:30 Stunden. Weit entfernt also von einem Vierer-Schnitt. Was nun tun mit dem Schuh? Das Carbon im Karton lassen? Hm.

Schuhe an und abgehen wie eine Rakete?

Obwohl ich ein Gewohnheitstier bin, lässt mich meine Neugierde dann doch immer wieder neue Sachen ausprobieren. Diese war es schließlich, die den Warnungen keine Chance ließ. Ich musste mir mein eigenes Bild machen und siehe da: Meine Füße lieben den Schuh, auch wenn ich keine Eliteläuferin bin. Nun taucht wahrscheinlich gleich die Frage auf, ob ich damit alles in Grund und Boden gerannt bin. Ja, ich bin meine Bestzeiten damit gelaufen. Ist mit dem Schuh alles getan? Schuhe an und abgehen wie eine Rakete? Training wird überbewertet? So leicht ist es leider oder zum Glück nicht. Aber ich bin auch mit anderen Schuhen Bestzeiten gelaufen. Beim Laufen bekommt man nichts geschenkt und in der Regel laufen doch genau diejenigen mit dem Schuh, die sich Ziele stecken und für diese Ziele auch hart trainieren – egal ob Profi oder ambitionierter Hobbyläufer. Und genau diejenigen laufen dann auch ihre Bestzeiten. Es mag sein, dass einen diese Schuhe beim Rennen weniger schnell ermüden lassen. Aber das ist dann am Tag X nur das Tüpfelchen auf dem i.

Next Wunder? Gibt es nicht. Es wird niemand ohne Training allein durch Carbon an den Füßen zur Hochform auflaufen. So weit ist selbst die neueste Schuhtechnik nicht. Von nix kommt nix, heißt es oder: Laufen musst du selbst. Daran führen auch keine dicken Sohlen vorbei. Das Ganze ist dann doch die Summe der einzelnen Teile – Zielstrebigkeit, Disziplin, Fleiß und eine gesunde Portion Ehrgeiz sind die Eigenschaften, um nicht schon am Weg zum Ziel stehenzubleiben, sondern am Ende an der Finishline belohnt zu werden. Dafür braucht es kein Carbon oder das Superbouncy-Dämpfungsmaterial. Aber Spaß macht’s damit!